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Tourenleiter: Felix Ketzer

Wenn das Wetter den Plan ändert, beginnt manchmal das eigentliche Abenteuer. Unsere diesjährige Sandsteinausfahrt führte uns nach Ostrov in der Böhmischen Schweiz – und damit in eine beeindruckende Landschaft, die uns mit abwechslungsreichen Klettereien, luftigen Gipfeln und besonderen Sandsteinerlebnissen begeisterte.

Ursprünglich hatten wir das Elbsandsteingebirge auf deutscher Seite als Ziel ins Auge gefasst. Doch die Wetterbedingungen machten unseren ursprünglichen Plan zunichte. Kurzerhand disponierten wir um und entschieden uns für Ostrov. Wie sich bald herausstellen sollte, war diese spontane Planänderung genau die richtige Entscheidung.

Ostrov liegt am Ende des Bielatals, eingebettet in einen idyllischen Talkessel. Zwischen hohen Sandsteinfelsen findet sich hier eine Vielzahl an Kletterzielen – von genussvollen Routen zum Einstieg bis hin zu durchaus luftigen und fordernden Unternehmungen. Der besondere Charakter des tschechischen Sandsteins war dabei von Anfang an spürbar.

Ankommen mit kleinen Hindernissen

Im Talkessel befindet sich ein kleiner, wunderschön gelegener Campingplatz, auf dem wir unser Lager aufschlagen wollten. Ganz so einfach wie gedacht war die Anreise allerdings nicht. Die Anmeldung erfolgte ausschließlich online, die Website war nur auf Tschechisch verfügbar – und ausgerechnet am Campingplatz selbst gab es keinen Handyempfang.

Mit etwas Improvisation und tatkräftiger Unterstützung im nahegelegenen Hotel gelang es uns schließlich doch, unseren Stellplatz zu buchen. Damit war die erste kleine Herausforderung bereits gemeistert.

Nach und nach trudelten alle Teilnehmer ein. Aus Franken reisten Timo, Ralf, Florian und Stefan mit den Autos an. Dirk und Torsten, unsere beiden „Ursachsen“, waren bereits vor Ort. Am nächsten Tag stießen noch Volker, André und Axel zur Gruppe – nun waren wir komplett.

Der erste Abend stand ganz im Zeichen des Ankommens. Das Wetter zeigte sich noch von seiner kühlen Seite und die Felsen waren feucht, sodass an Klettern zunächst nicht zu denken war. Stattdessen machten wir es uns auf dem Campingplatz gemütlich.

Auch die Feuerschale erwies sich zunächst als kleine Herausforderung: reichlich wassergetränkt wollte sie partout nicht richtig brennen. Doch mit Geduld, Ausdauer und genügend Einsatz gelang es schließlich, sie zum Glühen zu bringen. Ein gelungener Auftakt für unsere gemeinsame Zeit.

Endlich an den Fels

Am nächsten Morgen waren die Bedingungen deutlich besser und wir machten uns früh auf den Weg zu unseren ersten Felsen. Ziel war der Wurzelstein oder auch Kořenáč genannt.

Zum Einklettern wartete dort gleich ein echter Klassiker auf uns: eine wunderschöne Fünf über zwei Seillängen, erstbegangen von Rudolf Fehrmann um die Jahrhundertwende. Die Route vereinte auf herrliche Weise vieles, was das Sandsteinklettern so besonders macht: Risse, Verschneidungen und abwechslungsreiche Kletterbewegungen.

Ein perfekter Einstieg – und genau das Richtige, um sich wieder an den Fels und die besondere Sicherungssituation des Sandsteins zu gewöhnen.

Anschließend ging es zur Krammnadel. Die freistehende, etwa 15 bis 20 Meter hohe Sandsteinnadel bot bereits vom Boden aus einen beeindruckenden Anblick. Über den alten Weg ging es hinauf – und spätestens hier bekamen alle einen Eindruck davon, was eine tschechische Sechs im Sandstein bedeuten kann.

Ein Ring, ein Überhang als Schlüsselstelle und ordentlich Luft unter den Füßen sorgten für den nötigen Adrenalinschub. Doch jeder stellte sich der Herausforderung und meisterte den Aufstieg mit Bravour. Oben angekommen, wurden wir mit einer fantastischen Aussicht über die umliegende Felsenwelt belohnt.

Noch einige kleinere Klettereien folgten, bevor wir wieder den Rückweg zum Campingplatz antraten.

Dort wurden die Grills angeworfen und erneut die Feuerpfanne zum Glühen gebracht. Bei gutem Essen, kalten Getränken und bester Stimmung ließen wir den erlebnisreichen Klettertag gemeinsam ausklingen.

Der große Sprung

Am nächsten Morgen wartete bereits das nächste Highlight auf uns – und diesmal war nicht nur Klettertechnik, sondern auch Mut gefragt.

Auf dem Programm stand ein spektakulärer Überfall vom Massiv auf eine freistehende, schlanke Sandsteinnadel. Der Lochturm /Děravá ragte bis zu etwa 25 Meter über dem Boden auf. Zwischen Massiv und Nadel klaffte eine rund 1,20 bis 1,30 Meter breite Kluft.

Die Aufgabe war so einfach wie eindrucksvoll: Vom Massiv aus musste man sich praktisch hinüberfallen lassen, auf der gegenüberliegenden Nadel landen und anschließend sauber übertreten.

Was auf dem Papier vielleicht nach einem kleinen Schritt klingt, fühlte sich von oben betrachtet doch deutlich größer an.

Entsprechend zögerlich waren zunächst einige Teilnehmer. Die Kluft zwischen den Felsen, die Höhe und die ungewohnte Bewegung sorgten für ordentlich Respekt. Doch einer nach dem anderen fasste sich ein Herz.

Und dann hieß es: Augen zu, Vertrauen fassen – und los!

Alle meisterten den Überfall und standen schließlich sicher auf der Nadel. Für viele war dieser Moment zweifellos eines der eindrucksvollsten Erlebnisse der gesamten Ausfahrt. Gerade diese Mischung aus Vertrauen, Überwindung und gemeinsamer Motivation macht solche Unternehmungen zu etwas Besonderem.

Im Anschluss konnte Volker noch eine schöne Zweierroute auf den Wuttketurm / Wuttkeho vorsteigen und damit unseren letzten Klettertag perfekt abrunden.

Beim heimspazieren wurden noch einige schwerere Klassiker begutachtet und eindrucksvoll nachempfunden. Hier werden wieder Träume für weitere Ausfahrten geschaffen.

Abschied mit vielen Erinnerungen

Am Ende unserer Ausfahrt kehrten wir ein letztes Mal zum Campingplatz zurück. Die Zelte wurden abgebaut, die Ausrüstung verstaut und die Autos beladen.

Was blieb, waren zahlreiche Gipfel, spannende Routen, luftige Momente und jede Menge Geschichten, über die wir sicherlich noch lange sprechen werden.

Die Sandsteinausfahrt 2026 nach Ostrov war einmal mehr ein voller Erfolg. Vor allem aber waren es die gemeinsamen Erlebnisse, die diese Tage so besonders machten: großartige Menschen, gegenseitige Unterstützung, viel Spaß und alle sind gesund und munter wieder zuhause angekommen.

Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieser Ausfahrt: Manchmal muss man einen Plan ändern, um ein noch besseres Abenteuer zu erleben.

Ostrov – wir kommen gerne wieder!

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