Tourenleiter: Hans-Peter Banspach
Ankunft und Tourenplanung
Sechs Hochtourler der Sektion trafen sich am 1. August mittags in Morteratsch, Schweiz. Nach einer kurzen Materialabstimmung machten wir uns auf den Weg zur Boval-Hütte auf 2.495 m, auf der wir die erste von drei geplanten Nächten verbringen wollten.
Nach circa 2,5 Stunden angekommen, machten wir uns ein Bild von den Verhältnissen vor Ort. Aufgrund des Gletscherrückgangs sind die Touren im Vergleich zu früher schwieriger geworden. „Allgemein ist mehr Geröllgelände im Spiel“, meinte Hans-Peter, der die Veränderungen im Vergleich zu Touren vor Jahrzehnten feststellen konnte.
Gemeinsam planten wir den Aufstieg zur Marco-e-Rosa-Hütte auf 3.610 m über den Fortezzagrat. Dabei ging es vor allem um den richtigen Zeitpunkt für den Aufbruch. Drei Faktoren spielten hierbei die größte Rolle: Helligkeit, Hitze und vor allem der Wetterbericht.
Da erst für den Nachmittag, gegen 14 Uhr, Regen und für den Abend Gewitter gemeldet waren, entschieden wir, dass es ausreichen würde, gegen 4 Uhr morgens aufzubrechen.
Zunächst mussten wir von der Hütte hinab auf den Morteratsch-Gletscher. Nach einer optimalen Überquerung des Gletschers mussten wir die circa 150 Höhenmeter auf der gegenüberliegenden Seite wieder durch das Schuttgelände aufsteigen.
Über den Fortezzagrat
Am Grat angekommen, arbeiteten wir uns im I. und II. Schwierigkeitsgrad im Gehgelände weiter nach oben. Dazwischen musste ein weiteres Gletscherfeld mit größeren Spalten überwunden werden.
Danach ging es wieder auf den felsigen Grat. Bei circa 3.200 m erreichten wir gegen 11 Uhr die Schlüsselstelle der Tour. Diese beinhaltet eine Kletterpassage im III. alpinen Schwierigkeitsgrad.
Es fing an zu regnen – viel früher als vorhergesagt. Als dann, zusätzlich durch den Regen begünstigt, zwei Felsbrocken nicht weit von unserem Standort entfernt eine Firnflanke hinunterrutschten und mehrere hundert Meter ins Tal stürzten, entschlossen wir uns, nicht in die rutschige Kletterpassage einzusteigen. Das, obwohl bereits zwei Drittel des Zustiegs zur Marco-e-Rosa-Hütte hinter uns lagen. Andererseits waren weiterhin Gewitter auf dem Regenradar angekündigt.
Sicherheit vor Gipfelerfolg
Zurück auf der Boval-Hütte entschlossen wir uns, am nächsten Tag nach Morteratsch abzusteigen und die benachbarte Diavolezza-Hütte auf 2.978 m als neues Quartier zu beziehen.
Am letzten Tag der Sektionstour hieß es um 2 Uhr aufstehen. Ein Teil der Gruppe machte sich auf den Weg zum Piz Palü. Nach erfolgreichem Gipfelerfolg traf sich die Gruppe wieder auf der Diavolezza. Anschließend fuhren wir mit der Bergbahn ins Tal und traten die Heimreise ins Fichtelgebirge an.
Es waren tolle Tage, auch wenn uns die Natur alles an Erfahrung abverlangte und uns vor allem erneut in Vernunft und Besonnenheit schulte.
Eine tolle Gruppe, die großen Zusammenhalt bewies. Die Route des Normalwegs auf den Piz Palü musste aufgrund akuten Steinschlags im Vergleich zu unserer Tour im Juni verlegt werden. Eine Woche nach unserer Tour wurde die Marco-e-Rosa-Hütte wegen des zu gefährlichen Zustiegs vorzeitig geschlossen.



HERMANN ERBER