Frühjahrswanderung – Hoch-Genuss ohne Gipfel

Abenteuerlich sind in diesen Tagen bereits die Zugfahrten. Hof – Garmisch. Droht Schienenersatzverkehr? Werden Anschlusszüge erreicht? Beides durften wir bejahen und erreichten nach einer sehr langen Zugfahrt Oberau in der Zugspitzregion. Hier werden wir mit Grillenzirpen begrüßt und wandern durch saftige Wiesen entlang der sieben Quellen mit ihrem glasklarem, ständig plätscherndem Wasser nach Eschenlohe zum Gasthof zur Brücke. Hier ist die Zeit stehengeblieben. Die Kühe werden morgens und abends durchs Dorf getrieben, der Frühstücksgast bekommt frisch gemolkene Milch und Eier aus dem eigenem Hof. Die Zimmer sind einfach, das Frühstück ist großartig, die Bauerhäuser im Dorf rausgeputzt. Über mehrere Stockwerke Fassadenmalerei, umlaufende Holzbalkone und schmucke  Eingangsbereiche. Der Nachbar verkauft Bauerneis, das wir uns nach dem Abendessen bei einem Gang durch den Ort und die wunderbare Voralpenlandschaft schmecken lassen, genießen Vogelzwitschern, Kuhglockenläuten und das Rauschen des Gebirgsbaches. Lange ist es warm und hell. 

Am nächsten Tag wandern wir nach einer kurzen Bahnfahrt von Farchant über den Kramerplateauweg um Garmisch herum zur Höllentalklamm. Spektakulär! Der Weg durch die Klamm führt mal über an den Fels geschmiedete balkonähnliche Wegkonstruktionen, mal schmal entlang der Schlucht auf einen in den Fels gehauenen Pfad oder durch den Fels, in den schmale  dunkle Gänge gehauen wurden, die mit müden Glühbirnen spärlich beleutet werden. Überall tropft es, es tost das Wasser, das sich aus Wasserfällen ergießt, aus dem Fels entspringt oder in 30 bis 80 m Tiefe unter und neben uns hindurchrauscht. Hinter jeder Biegung ein neuer Blick. Im Fels herrschen 10 Grad Kälte, bei der nächsten Biegung Sonne mit 25 Grad, eiskaltes Wasser trifft auf durch die Sonne gerötete Haut…. Am späten Nachmittag haben wir 19,7 km und 930 Höhenmeter zurückgelegt und übernachten in der Höllentalangerhütte. Modern, mit viel Holz, geschützt in einer Hochebene gelegen. Die schlechten Internetbewertungen können wir nicht verstehen. Wir genießen den Abend auf der Terrasse mit Blick auf die Zugspitze. 

Von hier aus geht es am nächsten Tag weiter über das Hupfenleitenjoch zum Kreuzeck. Vier Schneefelder sind zu überqueren, ist der Weg doch dank des bislang kalten Wetters erst seit einer Woche freigegeben. Fantastische Aussichten begleiten uns, mal ein Blick ins Tal, dann wieder im Hintergrund die Alpspitze oder hoch aufragende Felswände und wunderschöne Bergketten. Derart motiviert entschließen wir uns, auch noch den Bernardeinsteig zu laufen, der sich wunderbar über die Höhen zieht. Wir bezahlen mit einem steilen Abstieg, steigen insgesamt 1009 Höhenmeter ab und 875 Höhenmeter wieder auf, bis wir das Bayerhaus noch rechtzeitig zum Abendessen erreichen. Wir werden mit Pfannkuchensuppe, Krusten- und Schweinebraten, Knödeln, Sauerkraut, Salat und Apfelstrudel für die Anstrengungen reichlich belohnt. Abends teilen wir nicht nur ein Zimmer, sondern auch den Inhalt der weitgereisten Flachmänner, da wir im Untergeschoss die einzigen Gäste sind stört niemanden unser mit Handyunterstützung vorgetragenen Karaokegesang, die aus Stirnlampen konstruierte Diskobeleuchtung oder die etwas deftigen Tanzschritte. Müde fallen wir ins Bett. 

Pfingstsonntag können wir lange in der Sonne frühstücken mit Blick auf das Bergpanorama. Wir können uns kaum losreißen, bevor es die letzten 5,5 km und 544 Höhenmeter bergab durch saftige Wiesen nach Garmisch geht. Ein letztes Eis und dann wieder mit der Bahn nach Hause.